Früher oder später beschäftigt sich fast jeder Sportschütze mit dem Thema Wiederladen bzw. Handladen. Es bezeichnet das Herstellen von Patronen von Hand bzw. die erneute Nutzung einer Patronenhülse.
Die Gründe dafür können abgesehen von geringeren Schusskosten auch höhere Präzision und die Möglichkeit zum Testen verschiedener Komponenten sein.

Wir selbst kamen mit der Anschaffung der Voere X3 im Kaliber 408 CT zum Handladen. Fertige Munition in diesem Kaliber ist bei uns in Österreich sehr teuer.

Doch natürlich reicht es nicht, Ausrüstung und Material zu kaufen. Abgesehen von gesetzlichen Bestimmungen geht es vor allem um die Sicherheit bei Herstellung und Benutzung der Munition!

Für den Einstieg sollte man sich unbedingt fachkundige Hilfe und Anleitung besorgen. Leider sind wir bei unserer Suche nach Informationen im Internet auf sehr viel widersprüchliches gestoßen. Bei Waffenhändlern wollte man uns immer nur Bücher verkaufen, aber keine praktische Erfahrung teilen bzw. war diese oft auch nicht vorhanden.

F.A.Q.

Ist Wiederladen gefährlich?

  • Wenn man sich an die Sicherheitsvorschriften hält, ist das Handladen sehr sicher. Dennoch muss man immer voll konzentriert arbeiten.

Wie viel kostet die Ausrüstung?

  • Wie in vielen Bereichen, ist auch hier nur eine von – bis Antwort möglich. Vernünftige Ausrüstung beginnt ab etwa 500 EUR, wer es gerne bequemer bzw. schneller hat, muss etwa 2000 EUR investieren.

Zahlt sich Wiederladen aus?

  • Je nach Kaliber und Munitionsverbrauch kann sich das Wiederladen bereits nach 1 Jahr bezahlt machen. Bei seltenen Kalibern wie z.B. 408 CT spart man pro Patrone bis zu 8 EUR!

Welche Patronen können wiedergeladen werden?

Beinahe alle! Ausgenommen sind z.B. Patronen mit Randfeuerzündung, also jene ohne Zündhütchen.

Benötigt wird

  • Schutzbrille
  • Arbeitstisch. Dieser muss stabil und groß genug sein.
  • Ladepresse. Nötig zum ersetzen der Zündhütchen, kalibrieren der Hülsen und setzen der Geschosse.
  • Pulverwaage. Zum abwiegen der Pulvermenge und Kontrolle der Ladung.
  • Pulverfüllgerät. Füllt die vorher festgelegte Menge Pulver ab und beschleunigt damit das Laden.
  • Hülsentrimmer. Bringt die Hülse nach dem Abfeuern wieder auf das richtige Maß.
  • Ladebrett. Hilfsmittel zum Pulver einfüllen.
  • Hülsenfettzeug. Fettet die Hülse vor dem Pressvorgang.
  • Zündhütchen Wendebox. Bringt alle Zündhütchen rasch in die richtige Lage.
  • Zündhütchen Setzgerät. Einige Ladepressen verfügen bereits über ein Setzgerät.
  • Pulvertrichter. Zum einfachen befüllen der Hülsen.
  • Hülsenmundfräser. Zum entgraten der Hülsen.
  • Matritzensatz. Für jedes Kaliber wird 1 Satz benötigt.
  • Hülsenhalter. Passend zu den Matritzen.
  • Tumbler und Ultraschallreiniger. Zum reinigen der Hülsen.
  • Hülsen
  • Zündhütchen
  • Geschosse
  • Pulver
  • Messschieber
  • Wiederlade-Handbuch. Gibt wertvolle Tipps zu Pulverart, Menge usw.

Die richtige Ausrüstung und ein aufgeräumter Arbeitsplatz sind die Grundvoraussetzung für effektives und vor allem sicheres arbeiten und ein ordentliches Ergebnis.

Schritt für Schritt

Bitte lest unsere rechtlichen Hinweise aufmerksam durch! Die Verwendung unserer Texte erfolgt auf eigene Gefahr.

Unsere Anleitung beschreibt, wie wir beim Wiederladen vorgehen, einzelne Schritte können hier von der Anleitung in Büchern usw. abweichen.

Am besten lagert ihr alle benötigten Materialien in einem Tresor bzw. Waffenschrank. Entnehmt immer nur so viel Pulver wie für die nächsten Arbeitsschritte benötigt werden.

Vorbereiten der Hülsen:

Zuvor bereits benutzte Hülsen, müssen vor der Wiederverwendung von den benutzen Zündhütchen befreit und gründlich gereinigt werden.

Als erstes werden die Hülsen im Ultraschall-Reinigungsgerät vom gröbsten Schmutz befreit. Hierfür nutzen wir warmes Leitungswasser mit einem Schuss Haushaltsreiniger (kein Essigreiniger!). Wie lange die Hülsen im Gerät bleiben müssen, hängt von der Verschmutzung sowie dem Reinigungsmittel ab. Wir machen 1-2 Durchgänge mit je 10min.

Zum entfernen der Zündhütchen benutzt man danach die Ladepresse, die mit der passenden Matrize bestückt wurde. Danach wird die Hülse gründlich für 30min wie bereits zuvor, im Ultraschallreiniger gesäubert.

Jede Hülse wird nach der Reinigung einzeln auf Dellen und andere Beschädigungen kontrolliert, wenn nötig nachgereinigt und getrocknet. Laut Wiederladekollegen hat sich die Trocknung im Backrohr bei Umluft und ca. 80° gut bewährt. Wir selbst trocknen die Hülsen mit einem saugfähigen Tuch außen ab und stellen die Patronen, mit dem Hülsenkopf nach unten, in die oft mit fertiger Munition mitgelieferten Kunststoffhalter. Für Munition wo wir diese Halter nicht besitzen, haben wir uns selbst welche aus Holz gefertigt. Das geht mit unserem CO2 Laser natürlich recht einfach und schnell, ist aber auch mit jeder Bohrmaschine zu schaffen! So können die Hülsen über Nacht komplett abtrocknen.

Die Hülsen können auch von Hand gereinigt werden, dies ist jedoch sehr zeitintensiv. Mit einem sogenannten Tumbler der mit Reinigungsgranulat gefüllt wird, können je nach Größe bis zu 300 Hülsen gleichzeitig vom Schmutz befreit und poliert werden.

Oft wird von Wiederladern auch statt dem Tumbler nur ein Ultraschallreiniger genutzt und auch über die Reihenfolge wird oftmals diskutiert. Auch die Reinigung der Hülsen in der Waschmaschine wird als effektiv und zweckmäßig beschrieben.

Unsere Reinigungsmethode kurz Zusammengefasst: Vorreinigung mit Ultraschall, danach Kontrolle und Zündhütchen entfernen. Gründliche Reinigung im Ultraschall. Nachreinigung der Hülsen-Innenseite und Zündhütchenaufnahme mit einer Schlauchbürste, die wir in einen Akkuschrauber einspannen. Danach gründlich trocknen lassen.

Abmessungen

Die Abmessung der Hülsen muss exakt passen, selbst kleine Abweichungen können schwere Schäden und Verletzungen bei der Benutzung der Munition verursachen. Deshalb wird die Hülse nun mit Hilfe von Presse und entsprechender Matrize in Form gebracht.

Für diesen Schritt müssen die Hülsen gut eingefettet werden. Die hohen Drücke in der Presse könnten sonst zum stecken bleiben der Hülse führen! Bei einigen Matrizen wird das Formen gleich in einem Arbeitsgang mit dem entfernen des verbrauchten Zündhütchens erledigt. So spart man sich einen Arbeitsschritt.

Danach wird mit einem Messschieber vermessen und wenn nötig mit einem Hülsentrimmer nachbearbeitet. Dies ist vor allem bei Hülsen nötig die bereits öfter benutzt wurden. Durch das abschießen der Patrone, wird die Hülse nämlich leicht in Längsrichtung gedehnt. Nach dem Trimmen wird die Hülse mit einem Entgrater von eventuellen Rückständen befreit und ist somit fertig zum wiederladen.

Zündhütchen setzen

Nun ist es an der Zeit, das neue Zündhütchen zu setzen. Hierfür gibt es eigene Setzgeräte, oder man benutzt die Ladepresse dazu. Wichtig ist die richtige Setztiefe, sie soll zwischen 0,002 und 0,006 inch innerhalb des Hülsenbodens betragen. Also leicht im Boden versenkt.

Es gibt 2 Möglichkeiten das Zündhütchen zu setzen. Vor allem für ungeübte empfiehlt sich die Methode mit Ladepresse und Matrize. Mit ihrer Hilfe kann man sich einfach mittels nachmessen und nachstellen der richtigen Setztiefe annähern. Hat man die richtige Einstellung gefunden, kann man in Serie setzen.

Die 2. Methode ist das manuelle setzen mit dem Setzgerät. Hier wird die Setztiefe nur mit dem eigenen Gefühl bestimmt. Da die Zündhütchen nicht mehr entfernt werden und außerdem bei zu hohem Druck zerstört werden können, empfehlen wir diese Methode nur geübten Wiederladern. Falsch gesetzte Zündhütchen bedeuten eine erhöhte Transportgefahr und können die Waffe beschädigen!

Zur Kontrolle ist ein digitaler Messschieber dringend zu empfehlen.

Pulver einfüllen

Pulver einfüllen ist als nächstes dran. Wiederladehandbücher und Fachhändler geben Auskunft über die richtige Sorte und Menge.

Achtung: Die Gewichtseinheit für Pulver ist Grain (gr/gn) und nicht Gramm (g)!

Wir wiegen das Pulver mit einer einfachen aber recht präzisen mechanischen Waage. Natürlich kann auch eine entsprechend feinfühlige, digitale Waage genutzt werden.

Damit nicht jede Ladung einzeln gewogen werden muss, gibt es im Fachhandel Abfüllgeräte, die immer die gleiche Menge Pulver dosieren (sollen). Doch auch bei diesen wird empfohlen, etwa jede 10 Ladung nachzuwiegen. Bei uns hat das ganze mehr schlecht als recht funktioniert, weshalb wir jede Ladung einzeln wiegen.

Wer etwas mehr Geld investieren will, legt sich ein Abfüllgerät mit integrierter digitaler Waage zu.

Ein Pulvertrichter sorgt dafür, dass alles in die Hülse gelangt und erleichtert das arbeiten ungemein!

Geschoss setzen

Jetzt kann das Geschoss gesetzt werden. Hierfür wird wieder eine Matrize benötigt. Diese wird mit Hilfe des verstellbaren Setzstempels so eingestellt, dass das Geschoss nicht zu tief eingesetzt wird. Nach dem Setzen wird die Setztiefe sowie die Gesamtlänge der Patrone kontrolliert. Man stellt den Setzstempel so lange nach bis die Patrone den Vorgaben entspricht.

Je nach Patrone kann es erwünscht sein, das Geschoss einzucrimpen. Das bedeutet nichts anderes, als das der Hülsenmund fest gegen das Geschoss gepresst wird und dieses noch fester hält. Einige Matrizen erledigen diesen Schritt bereits beim setzen des Geschosses, oder es wird eine eigene Matrize hierfür angeboten.

Endkontrolle

Auch bei sorgfältiger Arbeite können sich Fehler einschleichen. Daher empfehlen wir, immer noch einmal Stichproben zu nehmen und die wichtigsten Parameter zu kontrollieren.

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One Reply to “Wiederladen”

  1. Ich gehe gern bei mir auf dem Grundstück jagen aber die Munition wird langsam teuer. Es ist gut zu wissen das man seltene Munition auch anfertigen lassen kann. Ich werde mir einen Handel suchen der seltene Patronen verkauft.

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